Das Oberndorfer Matheisle
| Fasnet auf zwei Tage beschränkt - Vor 100 Jahren Treiben genau überwacht Oberndorf. Schon vor 100 Jahren nahm man es in Oberndorf mit der Fasnet sehr genau: Außer den "zugestandenen" Kostümbällen war die Narretei auf die zwei Tage vor Aschermittwoch beschränkt. Zuwiderhandelnde wurden "fest gstroft", darauf hatte der einzige Polizeidiener, das "Matheisle", ein wachsames Auge. Grund genug, ihm in der Wirtsstube des "Becka Willi" Harttmann einen Streich zu spielen: In einem "Beitrag zur Geschichte Oberndorfs und seiner Umgebung" erzählt Franz Xaver Singer, am Samstag vor der Fasnet, an einem "verbotenen Abend", sei ein "guter Besenstiel" von ein paar Schelmen mit Heu und Stroh umwickelt und in ein Schantle-Kleid gesteckt worden. Mit Handschuhen, Larve und einem halb gefüllten Glas Bier in den Armen wirkte der "Butz" täuschend echt. Mit "heiliger Entrüstung" waltete der Gesetzesvertreter seines Amtes und versprach, den Übeltäter ordentlich zu strafen. Derweil hatte sich der "Brack-Vetter" unter dem Tisch versteckt und mimte von dort die Stimme des vermeintlichen "Schantle". Das "Mattheisle" trat schneidig auf den Ausgestopften zu und sagte in erregtem Ton: "Weißt du net, dass dös verbota isch?" "Muascht mi net a'zeige, i gang jo net zur Stube naus und mach koi Lärm", flehte der vermeintliche Übeltäter. Aber der "Sheriff" kannte kein Pardon und forderte unverzüglich, der Maskierte möge sich zu erkennen geben: "Sag wer du bischt!" Schließlich riss das "Mattheisle" die Larve vom Besenstiel. Sein Gesicht wurde "lang wie das hölzerne Gestell des Schantle". Und nachdem das "Mattheisle" ausgiebig ausgelacht worden war, zog es beschämt von dannen. Am Rosenmontag aber verurteilten die Oberndorfer Narren den "Gesetzesübertreter" vor dem Rathaus zum Tode. Das Urteil wurde sogleich vollstreckt, indem man die Figur mittels einer Futterschneidemaschine um einen Kopf kürzer machte. Zur "Erhöhung der Schauerlichkeit" wurden "reichlich mit Blut gefüllte Därme" verwendet, heißt es weiter in der Chronik, und: "Es sollen zuschauende Landleute über die Prozedur ohnmächtig geworden sein." swol.de, 17.1.03 |